Deutsche Erstaufführung
Richtig alt, so 45
von Tamsin Oglesby
Premiere im Grillo-Theater
15. April 2012
- Inszenierung
- Jens Pesel
- Bühne und Kostüme
- Diana Pähler
- Videografie
- Anika Takagi
Stefanie Großerichter
Thomas Tegethoff - Dramaturgie
- Marc-Oliver Krampe
- Lyn
- Claudia Amm
- Alice
- Ingrid Domann
- Robbie
- Claus Dieter Clausnitzer
- Cathy
- Ines Krug
- Millie
- Anna Döing
- Dylan
- Tobias Roth
- Monroe
- Holger Kunkel
- Amanda
- Floriane Kleinpaß
- Mike
- Jens Ochlast
- Mimi
- Monika Stahler
London, irgendwann in der Zukunft. Drei Wissenschaftler suchen in einem Forschungslabor der Regierung nach Lösungen für die beiden drängendsten Probleme der Zeit: das Alter und die Jugend. Einerseits leben Senioren länger, als es biologisch natürlich bzw. ökonomisch sinnvoll erscheint und machen das Gemeinwesen uneffektiv und teuer. Auf der anderen Seite ist die Anzahl der von ihren überarbeiteten Eltern vernachlässigten Jugendlichen in den letzten Jahren sprunghaft gestiegen. Die Forscher haben einen Weg gefunden, diese zwei demografischen Zeitbomben zu entschärfen: die Daseinsberechtigung der Alten unter Vorbehalt. Nur wenn diese bereit sind, nach einem festgelegten System Punkte zu sammeln, indem sie beispielsweise einen vernachlässigten Jugendlichen als Adoptivenkel bei sich aufnehmen oder alternativ an medizinischen Tests in der neuen Klinik “Die Arche” teilnehmen, werden sie weiterhin geduldet. Für unkooperative Alte gibt es eine ultimative Dienstleistung: die Pille für den sanften Tod. Immerhin sieht man mit “Ryanol” farbenprächtige Papageien, bevor man stirbt. So macht das Leben der Alten wieder Sinn, die Jugendproblematik ist gelöst und der effiziente und reibungslose Ablauf des öffentlichen Lebens wieder gewährleistet.
Dies ist die Welt, in der die betagten Geschwister Lynn, Alice und Robbie sich behaupten müssen – immer im Kampf um die erforderlichen Punkte: Die an fortschreitendem Gedächtnisverlust leidende Lynn adoptiert die 16-jährige Millie, was sie dennoch nicht vor der “Arche” bewahrt. Lynns Schwester Alice leidet an Schwerhörigkeit, Diabetes und Gelenkverschleiß und findet sich nach einem schweren Sturz ebenfalls in der berüchtigten Klinik wieder. Und Robbie versucht verzweifelt, mittels Mode, Pflegeprodukten und Haarfärbemitteln immer jünger zu wirken.
Aus der politischen und der privaten Perspektive heraus und mit tiefschwarzem Humor betrachtet “Richtig alt, so 45” eine fiktive, ungeduldige Leistungsgesellschaft, in der das Alter als Ordnungswidrigkeit begriffen wird. Das Stück entwirft eine zugespitzte Dystopie von “Menschen ohne Funktion” in einer Gesellschaft, die nichts mehr zu verschenken hat.
Die Stücke der britischen Autorin Tamsin Oglesby laufen u. a. an der Royal Shakespeare Company und am National Theatre. Dort feierte 2010 auch “Really old, like 45” seine Uraufführung. Nun kommt es als Deutsche Erstaufführung am Schauspiel Essen heraus.
In Kooperation mit der Gesellschaft für Soziale Dienstleistungen Essen mbH (GSE).
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