Graf Öderland

Eine Moritat in zwölf Bildern von Max Frisch

Premiere im Grillo-Theater am 3. Februar 2012 / Wiederaufnahme am 9. Januar 2013

Inszenierung
Konstanze Lauterbach  
Bühne
Kathrin Frosch  
Kostüme
Karen Simon  
Musik
Achim Gieseler  
Dramaturgie
Carola Hannusch  
Der Staatsanwalt
Jan Pröhl  
Elsa, seine Gattin
Floriane Kleinpaß  
Doktor Hahn
Tom Gerber  
Hilde, Inge, Coco
Laura Kiehne  
Der Mörder
Jörg Malchow  
Ein Wärter, Hotelgast, Der General
Rezo Tschchikwischwili  
Der Vater, Ein Köhler, Ein Gendarm, Ein Rebelle, Auslandspresse
Sven Seeburg  
Die Mutter, Frau Konsul, Eine Kulturträgerin
Ingrid Domann  
Ein Nachrichtensprecher, Hotelboy, Ein Student
Johann David Talinski  
Eine Nachrichtensprecherin, Eine Concierge, Eine Kulturträgerin, Staatspräsidentin
Ines Krug  
Ein Köhler, Der Fahrer, Der Kommissar
Jens Ochlast  
Ein Köhler, Der Innenminister, Ein Sträfling
Stefan Diekmann  
Ein Köhler, Der Direktor, Ein Kulturträger
Markus Rührer  
Ein Köhler, Ein Rebelle, Auslandspresse, Frau Hofmeier
Lisa Jopt  
Hotelgäste, Residenzbesucher, Kellner
Statisterie  

Die Frage nach dem “Warum?” raubt dem Staatsanwalt den Schlaf. Warum hat ein redlicher Bankangestellter einen Hausmeister mit einer Axt erschlagen? Warum gibt es für diese Tat kein Motiv? Beziehungsweise: Ist Langeweile, Überdruss an einem Leben, das zu großen Teilen aus Pflichterfüllung besteht, ein Motiv? Der angesehene Staatsanwalt kann den Mann, den er eigentlich anklagen soll, sehr gut verstehen. Und ehe er sich versieht, hat er sie selbst in der Hand – die Axt. Traumwandlerisch, wie ein Wiedergänger des sagenumwobenen Grafen Öderland, zieht er durchs Land. Und wehe, ihm stellt sich jemand entgegen! Schnell finden sich Anhänger, der Solotrip wird zum Aufstand und der Staatsanwalt zur Ikone. Ohne erkennbares Ziel vor Augen rebelliert die Menge, bis sie das Land ins Chaos gestürzt hat und ihr das Wasser buchstäblich bis zum Halse steht. Dabei wollte der Staatsanwalt doch einfach nur leben. Gibt es ein Erwachen aus diesem Albtraum?

Max Frisch (1911–1991) betrachtet “Graf Öderland” als eines seiner wichtigsten Werke. Er beschäftigte sich mit dem Topos bereits 1946 in einer Prosaskizze, bevor 1951 das Theaterstück in Zürich uraufgeführt wurde. 1956 und 1961 überarbeitete Frisch das Stück und legte neue Fassungen vor, die in Frankfurt am Main bzw. in Berlin zur Uraufführung gelangten. In seiner Moritat beschwört Frisch den Mythos des Axt schwingenden Revolutionärs, dessen Kampf für ein pflichtbefreites Leben zum willkürlichen Amoklauf wird. “Graf Öderland” wirft zugleich einen Blick auf eine Gesellschaft, in der sowohl die Bereitschaft zur Rebellion als auch der Wille, am Status quo festzuhalten, sich in ihrer Bedingungslosigkeit nicht voneinander unterscheiden. Veränderung und Besitzstandswahrung – beide Ziele werden um jeden Preis verfolgt, mit unterschiedlichen Mitteln, aber der gleichen Kompromisslosigkeit.

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