Pressestimmen
Am Theater Essen gelingt Konstanze Lauterbach eine Wiederbelebung des „Graf Öderland" von Max Frisch
Die Regisseurin Konstanze Lauterbach zeigt jetzt mit ihrer Inszenierung des “Öderland” am Theater Essen, dass auch Mythen noch sehr viel Leben versprühen können. (…) Mit einem kalten Traum aus Schnee, Eis und Marmor unterstützt die Bühnenbildnerin Kathrin Frosch die vor allem an starken Bildern interessierte Regisseurin. (…) Und wie Jan Pröhl seinen Staatsanwalt aus dem Minusbereich seiner Seele herausführt, den Bürokraten in sich jedoch nie ganz abschütteln kann, das ist schon eine reife Schauspielerleistung. (…) Eine erstaunliche Stückauswahl führt in Essen zu einem erstaunlichen Abend.
WAZ/NRZ vom 6. Februar 2012
Mutige Inszenierung
Konstanze Lauterbach wollte den Nachweis erbringen, dass das Stück keineswegs unspielbar ist, und das ist ihr gelungen. Denn “Öderland” steht dramaturgisch in einer Linie, die sich vom Expressionismus zum absurden Drama spannt und wirkt aus heutiger Sicht wenn nicht gelungener, so doch interessanter und aufregender als der politisch korrekte Schulstoff der späteren Werke. Lauterbach lässt die Schauspieler expressiv agieren und arbeitet auf einer offenen Bühne wie aus Eis oder Marmor (Kathrin Frosch) mit deutlichen Zeichen. Bereits am Anfang ist der von Jan Pröhl beeindruckend gespielte Staatsanwalt durch eine lange, vom Schnürboden herabhängende Schnur, an der Fotografien des Mörders befestigt sind, metaphorisch mit diesem verbunden: Die Nabelschnur ist aber zugleich eine Zündschnur; es ist eine Frage der Zeit, bis die gefährlich enge symbiotische Verbindung des Anklägers mit dem Angeklagten zu einer Explosion führt. (…) In seiner fremdartigen Anmutung ist dies ein erstaunlicher Abend, wie aus der Zeit gefallen und womöglich gerade deshalb up-to-date. Am Ende sind es keine Geister: Am Ende ist es dieser dunkle, trotz des Verhängnisses, in das er sich verstrickt hat, äußerst lebendige Graf Öderland, den man lange nicht mehr los wird.
www.nachtkritik.de vom 4. Februar 2012
Das Schauspiel Essen entdeckt Max Frischs frühes Stück „Graf Öderland“
“Graf Öderland” ist ein Psychothriller und ein Traumspiel. Es steckt viel Hitchcock in diesem frühen Max Frisch, eine Mischung aus sarkastischer Ironie, Spannung sowie existenzialistischer Philosophie. Es gelingt dem Essener Ensemble, auf dem schmalen Grat zwischen Farce und Drama zu wandeln. (…) Satirisch pointiert beschreibt Max Frisch wie eine diffuse Mischung aus Angst, Sehnsucht und Inkompetenz erst ins Chaos und dann zum Machtwechsel führt. (…) Das Stück sperrt sich gegen einfache Lesarten, bleibt vielschichtig, krude – und eben das ist seine Stärke. (…) Konstanze Lauterbach stellt die “Moritat in zwölf Bildern” in ihrer Doppelbödigkeit auf die Bühne. (…) Max Frischs Stück ist über 50 Jahre alt, es kann hier und da einen kräftigen Zugriff der Regie vertragen. Aber sein Kern betrifft uns immer noch, die Absage an eine Gesellschaft, in der Wut, Leidenschaft und Lust auf ein Mittelmaß reduziert werden. (…) Graf Öderland wird zum Symbol des Widerstandes und wundert sich, dass er selbst auf keinen Widerstand trifft. (…) Und doch beginnt eine Deformation, die immer heftiger wird, je näher der Rebell an die Macht kommt. Der Mensch ist nicht zur Freiheit fähig. Aber er wird immer wieder, um sie kämpfen. Das ist die bittere Absurdität, die Max Frisch dem Publikum entgegen schleudert.
Deutschlandradio vom 3. Februar 2012
Das Schauspiel Essen entdeckt Frischs „Graf Öderland“
Es gelingt dem Ensemble, auf dem schmalen Grat zwischen Farce und Drama zu wandeln, ohne abzustürzen. Der Kern des Dramas betrifft uns immer noch.
Die Welt vom 10. Februar 2012
Wutbürger an der Macht
Das Stück “Graf Öderland” ist eine enorm unterhaltsame Mischung aus Satire, Krimi und Psychothriller. Die Regisseurin Konstanze Lauterbach bringt es in eben dieser Vielschichtigkeit auf die Bühne. Völlig absurd sieht es aus, wenn die Mächtigen – die Politiker, Generäle und Kulturträger – bei einem Bankett auf dem Boden herumkrabbeln, weil das kalte Buffet auf dem Teppich aufgemalt ist. Erschreckend dagegen das Schlussbild: Der Staatsanwalt wird von einem riesigen Mantel der Macht eingehüllt, bis nur noch sein Gesicht zu sehen ist. Völlig entsetzt schaut der kraftvolle Schauspieler Jan Pröhl aus seiner gewaltigen Zwangsjacke. Sein Sieg entpuppt sich als schlimmste Strafe, die Macht erdrückt ihn. (…) Insgesamt gelingt die Wiederentdeckung eines spannenden, witzigen und radikalen Stückes.
WDR 2, Die Kritiker vom 06. Februar 2012
Mutige Inszenierung
Konstanze Lauterbach wollte den Nachweis erbringen, dass das Stück keineswegs unspielbar ist, und das ist ihr gelungen. Denn “Öderland” steht dramaturgisch in einer Linie, die sich vom Expressionismus zum absurden Drama spannt und wirkt aus heutiger Sicht wenn nicht gelungener, so doch interessanter und aufregender als der politisch korrekte Schulstoff der späteren Werke. Lauterbach lässt die Schauspieler expressiv agieren und arbeitet auf einer offenen Bühne wie aus Eis oder Marmor (Kathrin Frosch) mit deutlichen Zeichen. Bereits am Anfang ist der von Jan Pröhl beeindruckend gespielte Staatsanwalt durch eine lange, vom Schnürboden herabhängende Schnur, an der Fotografien des Mörders befestigt sind, metaphorisch mit diesem verbunden: Die Nabelschnur ist aber zugleich eine Zündschnur; es ist eine Frage der Zeit, bis die gefährlich enge symbiotische Verbindung des Anklägers mit dem Angeklagten zu einer Explosion führt. (…) In seiner fremdartigen Anmutung ist dies ein erstaunlicher Abend, wie aus der Zeit gefallen und womöglich gerade deshalb up-to-date. Am Ende sind es keine Geister: Am Ende ist es dieser dunkle, trotz des Verhängnisses, in das er sich verstrickt hat, äußerst lebendige Graf Öderland, den man lange nicht mehr los wird.
www.nachtkritik.de vom 4. Februar 2012
Staatsanwalt läuft Amok
Jan Pröhl spielt überzeugend diesen Staatsvertreter, der Verständnis für einen Mörder aus Langeweile hat und als eine Art Wiedergänger der fiktiven Gestalt des Grafen Öderland mit der Axt in der Ledermappe durch die Welt zieht.
Ruhr Nachrichten vom 5. Februar 2012
Sehenswerte Aufführung
Im Prinzip erzählt Konstanze Lauterbach die Geschichte mit einem guten Ensemble sehr nachvollziehbar. Ein Stück, das absolut wieder auf die Spielpläne gehört. Und sie schafft es auch, diese Mischung aus Psychodrama, das glaubhaft sein muss, und der Farce – also auch die vielen komödiantischen und satirischen Seitenhiebe, die Max Frisch macht – zu halten, diese Gratwanderung zu halten. Insofern, trotz kleiner Schwächen, eine sehenswerte Aufführung eines noch sehenswerteren Stückes.
WDR, Mosaik vom 6. Februar 2012
Schauermärchen oder Realität?
Besonders stark ist an diesem Abend Laura Kiehne, die nahezu alle weiblichen Hauptrollen übernimmt, vom märchenhfaften Diesntmädchen zur rebelliscehn linken Ikone bis zur kühlen Machtfrau. (…) Den Zuschauenden wird ein intelligentes Schauspiel geboten, das zur Reflexion über Justiz, Macht un die eigene Lebensplanung anregt.
Coolibri blog vom 06. Februar 2012
„Graf Öderland“ in Essen als pralle Parabel
Konstanze Lauterbach hat sie (die Moritat) im Grillo-Theater als pralle, sinnliche, aktionsreiche Parabel mit einem jungen Ensemble inszeniert, das über sich hinauswächst. (…)Wie aus einem bösen Traum erwachend, betritt der überragende Jan Pröhl in Anzughose und Morgenmantel die Bühne. (…) Lauterbachs Inszenierung zeigt in sinnfälligen Bildern, wie der Gedanke an Gewalt in einer überkontrollierten Gesellschaft außer Kontrolle gerät, und als Selbstläufer zur Tat wird. (…) Laura Kiehne bietet als wandlungsfähige Circe, die als geheimnisvolle Coco den aufrührerischen Anwalt in der Residenz zum neuen Machthaber kürt, eine Glanzleistung.
Recklinghäuser Zeitung vom 7. Februar 2012
Überragende Bühnenpräsenz: ein mehr handfest-zupackender als intellektuell-bürokratischer Jan Pröhl
Konstanze Lauterbach hat Max Frischs selten gespielter Moritat “Graf Öderland” jetzt im Essener Grillo-Theater ein neues, erstaunlich frisches Leben eingehaucht.
(…) “Man hat mich geträumt”: In der 1961 am Berliner Schiller-Theater uraufgeführten und jetzt auch in Essen gezeigten dritten Fassung gibt es für den Staatsanwalt ein Erwachen aus diesem Alptraum, wobei Konstanze Lauterbach das Publikum in ihrer sehr texttreuen, durch sparsamen Video-Einsatz im positiven Sinn konventionellen Inszenierung his zuletzt im Unklaren darüber lässt. Was den Spannungsbogen über volle zweieinhalb Stunden erhält auch ohne aufgesetzte Aktualisierungen oder gar platte Gegenwartsbezüge. “Graf Öderland”, gespielt von einem betont jungen und sehr engagierten 14köpfigen Ensemble, passt so hervorragend in das Spielplankonzept des Essener Intendanten Christian Tombeil, das mit Stücken wie “The Black Rider”, “Michael Koolhas”, “Ulrike Maria Stuart” und “Die fetten Jahre sind vorbei” ganz im Zeichen des Widerstands steht.
Sonntagsnachrichten Herne vom 12. Februar 2012
Perfide Parabel
Max Frischs Stück “Graf Öderland” hat nichts von seiner Zeitlosigkeit verloren, Regisseurin Konstanze Lauterbach inszeniert das Lieblingsstück des Autors in großen zwölf Bildern am Schauspiel Essen.
trailer vom März 2012
Morbider Höllentrip
Da hat das Essener Schauspiel eine echte Rarität ausgegraben: Max Frischs Moritat “Graf Öderland” gerät unter der Leitung von Konstanze Lauterbach zum bildgewaltigen Gruselmärchen. (…) Das fasziniert und lässt gleichzeitig viele Fragen offen.
coolibri vom Mai 2012