Corpus delicti
von Juli Zeh
Wiederaufnahme in der Casa
am 8. November 2011
- Inszenierung
- Florian von Hoermann
- Bühne
- Conni Brückner
Petra Schlüter-Wilke - Kostüme
- Conni Brückner
- Dramaturgie
- Marc-Oliver Krampe
- Richterin Sophie
- Floriane Kleinpaß
- Anwalt Rosentreter
- Holger Kunkel
- Staatsanwalt Bell / Amtsarzt / Richter Hutschneider
- Jan Pröhl
Wolfram Boelzle - Kramer
- Tom Gerber
- Lizzie
- Ines Krug
- Driss
- Gerhard Hermann
- Mia
- Bettina Schmidt
- Die ideale Geliebte
- Silvia Weiskopf
- Moritz / Methodenschützer
- Jens Ochlast
- Würmer
- Rezo Tschchikwischwili
Im Deutschland des Jahres 2057 kann Krankheit dank des Fortschritts der Medizin und der Genforschung, eines rigorosen Hygienefanatismus und der lückenlosen Überwachung aller Bürger fast völlig aus der Gesellschaft verbannt werden. Das Buch “Gesundheit als Prinzip staatlicher Legitimation” des smarten Journalisten Heinrich Kramer ist das Schlüsselwerk der herrschenden Staatsideologie. Die Biologin Mia Holl war bisher immer eine Anhängerin dieser Lehre. Doch seit ihr Bruder Moritz sich im Gefängnis umgebracht hat, weil er mittels DNA-Analyse eines Mordes überführt wurde, ist sie aus der Bahn geworfen. Sie verwahrlost zusehends und gefährdet damit nicht nur ihre Gesundheit, sondern auch das Gemeinwohl und die Sicherheit des Staates, in dem es fast schon als terroristischer Akt gilt, sich gehen zu lassen. Also wird ein Aufsehen erregender Schauprozess gegen sie angestrengt, der die Nation in Atem hält.
Das Stück wirft einen Blick in eine schrecklich-schöne Zukunft, die angesichts unserer heutigen Probleme im Gesundheitswesen und der immer engmaschigeren Kontrolle des Menschen im Alltag gar nicht so irreal erscheint: eine Zukunft, in der der Terror absoluter Gesundheit und Perfektion den Menschen vor sich selber schützen soll. Es entwirft die Vision eines totalitären Überwachungsstaates, in dem eine rigoros am Gemeinwohl orientierte Zwangskollektivität die Radikallösung aller Probleme, die Antwort auf alle früheren Auflösungserscheinungen ist. In diesem Staat ist die Unvernunft der letzte, subversive Rückzugsort des perfekt durchorganisierten gläsernen Menschen.
Juli Zeh wurde 1974 in Bonn geboren. Nach einem Jurastudium studierte sie am Deutschen Literaturinstitut in Leipzig. Sie veröffentlichte vor allem Romane und Kurzgeschichten, für die sie u. a. mit dem Bremer Literaturpreis, dem Deutschen Bücherpreis und dem Ernst-Toller-Preis ausgezeichnet wurde.
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